(Project description below/ Projektbeschreibung siehe unten)
Mompreneurs – Visual Anthropological Approach (English below)
Seit etwa 2013 erlebte die sogenannte Mompreneur-Szene in Deutschland einen deutlichen Aufschwung. Immer mehr Mütter nutzten die Phase der Elternzeit, um sich selbstständig zu machen und eigene unternehmerische Wege zu entwickeln. In diesen Gründungen spiegelten sich zentrale gesellschaftliche Fragen: der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, nach Selbstbestimmung und nach neuen, familienfreundlichen Lebensmodellen.
Parallel dazu gewann auch der öffentliche Diskurs über Care-Arbeit, ökonomische Teilhabe und weibliche Selbstständigkeit an Sichtbarkeit. Publikationen wie „Mama muss die Welt retten“ (Grütering/Rosales) oder „Mama macht Business“ (Pusker) trafen einen Nerv der Zeit. Gleichzeitig entstanden zahlreiche Netzwerke – online wie offline –, die selbstständige Mütter miteinander verbanden, etwa „Mompreneurs“ oder „Nie:solo“. Sie boten Räume für Austausch, Unterstützung und ökonomische Vernetzung.
Die unternehmerischen Ideen dieser Frauen entstanden häufig aus konkreten Alltagsbedürfnissen heraus und reagierten unmittelbar auf strukturelle Lücken – etwa im Bereich Kinderbetreuung, Organisation und Unterstützung im Familienalltag. Beispiele hierfür sind digitale Lösungen zur Koordination von Betreuungsplätzen, flexible Angebote in der Kinderbetreuung sowie Initiativen in den Bereichen Bildung und Care-Arbeit. Diese Projekte verdeutlichen, wie vielfältig die unternehmerischen Ansätze sind und wie eng sie mit den Lebensrealitäten ihrer Gründerinnen verbunden bleiben.
In den darauffolgenden Jahren verschob sich der Diskurs zunehmend: Fragen der Vereinbarkeit wurden stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und bezogen vermehrt auch Väter sowie diverse Familienmodelle mit ein – häufig unter Begriffen wie „Parentpreneurs“. Der ursprünglich stark weiblich konnotierte Begriff der „Mompreneur“ steht damit heute auch für eine spezifische Phase dieser Entwicklung.
Aus einer visuell-anthropologischen Perspektive interessierte sich dieses Projekt vor allem für die kreativen Strategien, mit denen diese Frauen zwischen Care-Arbeit und ökonomischer Selbstständigkeit navigieren: ihr Umgang mit zeitlichen und räumlichen Zwischenräumen, ihre Fähigkeit, Bedürfnisse in Geschäftsmodelle zu übersetzen und die Vielschichtigkeit ihrer unternehmerischen Praxis.
Die fotografische Arbeit versteht sich als Annäherung an diese Lebensrealitäten – als Beobachtung von Übergängen, Verdichtungen und Brüchen zwischen Care und Erwerbsarbeit, Intimität und Öffentlichkeit, Selbstverwirklichung und strukturellen Begrenzungen.

Mompreneurs – A Visual Anthropological Approach
Since around 2013, the so-called “mompreneur” scene in Germany has experienced a significant rise. Increasingly, mothers have used the period of parental leave to become self-employed and to develop their own entrepreneurial paths. These ventures reflect key societal questions: the desire for a better balance between family and work, for self-determination, and for new, family-oriented ways of living.
At the same time, public discourse around care work, economic participation, and female entrepreneurship gained greater visibility. Publications such as Mama muss die Welt retten (Grütering/Rosales) and Mama macht Business (Pusker) captured the spirit of the time. In parallel, numerous networks emerged—both online and offline—connecting self-employed mothers, such as “Mompreneurs” and “Nie:solo.” These networks created spaces for exchange, mutual support, and economic collaboration.
The business ideas developed by these women often arose directly from everyday needs and responded to structural gaps—particularly in areas such as childcare, organization, and support within family life. Examples include digital solutions for coordinating childcare placements, flexible childcare services, and initiatives in education and care work. These projects illustrate both the diversity of entrepreneurial approaches and their close connection to the lived realities of their founders.
In the years that followed, the discourse gradually shifted: questions of work–life balance came to be understood more as a collective societal responsibility, increasingly including fathers and diverse family models—often under terms such as “parentpreneurs.” The originally strongly gendered concept of the “mompreneur” thus also represents a specific phase within this broader development.
From a visual-anthropological perspective, this project focuses on the creative strategies through which these women navigate between care work and economic independence: their handling of temporal and spatial in-between spaces, their ability to translate needs into business models, and the complexity of their entrepreneurial practices.
The photographic work approaches these lived realities as an observation of transitions, condensations, and tensions between care and labor, intimacy and public life, self-realization and structural constraints.
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